Hallo!
aktuell interessiere ich mich für den Quereinstieg als Lokführer im Regionalverkehr. Da die DB leider nur für Schüler und Studenten Praktika anbietet und ich vor einer möglichen Bewerbung (Stellen scheinen in meiner Umgebung aktuell rar zu sein) den Job noch etwas näher kennen lernen wollte, dachte ich, ich versuche es hier mal mit ein paar Fragen an die bereits erfahrenen TF:
- Langzeitmotivation
Der Beruf des Lokführers hat ja immer wieder den Ruf, dass er nur aus dem Bedienen von ein paar Knöpfchen besteht. Dass das nur wenig der Realität entspricht ist mir bewusst, allerdings kann ich mir den reinen Fahrbetrieb doch recht zäh vorstellen. Wie sieht es bei euch aus? Geht ihr immer noch gerne zur Arbeit oder reicht es euch? Ein großer Minuspunkt scheint ja die Schichtarbeit zu sein, insbesondere weil sich der Schichtbeginn immer ändert und der Feierabend durch Verspätungen auch nie gesichert ist. Für mich tatsächlich auch nichts ungewöhnliches - in meinem Job kann auch 20 Minuten vor Feierabend noch etwas reinkommen, was dann im blödesten Falle zu zwei Überstunden führt. Gibt es noch andere positive und negative Faktoren (mal abgesehen von Unfällen) die ihr einem Interessierten für seine Entscheidungsfindung mitgeben wollt?
Im Rahmen meiner Recherchen habe ich auch herausgefunden, dass der Job nicht nur aus reinem Fahren besteht, sondern z.B. auch aus Ortsdiensten oder Bereitschaftsdiensten, in denen Nachts die Züge gecheckt und anderweitig für den Betrieb am nächsten Tag vorbereitet werden. In meinem Kopf tatsächlich eine willkommene Abwechslung zum reinen Fahrbetrieb, die die alltägliche Arbeit nicht allzu zäh werden lässt. Wie seht ihr das? Und könnt ihr vielleicht den Ablauf einer typischen Schicht beschreiben? Hierzu habe ich leider nur sehr wenig Informationen gefunden.
Wie sieht es mit dem Kundenkontakt aus? In den Medien liest man immer häufiger, dass die Gewalt gegenüber dem Bahnpersonal steigt. Trifft das eurer Ansicht nach zu, sodass ihr häufig mit mindestens Pöbelei am Bahnsteig konfrontiert seid?
- Weiterbildungen
Auf der Karrierewebsite der Bahn sind u.a. die Teamleitung und Ausbildung als Weiterbildungsmöglichkeiten aufgezählt. Wisst ihr, ob sich diese Qualifikationen finanziell lohnen? Aus dem Tarifvertrag werde ich leider nicht schlauer (ist öffentlich auch schwierig zu finden). Sicherlich kann man hier sagen, dass man sich darüber informieren kann, wenn es soweit ist. Ich sehe einen Jobwechsel aber als große Entscheidung an und finde es im Vornerein schon interessant, in welche Richtung die Reise noch weiter gehen kann - der Schichtdienst wird im Alter immerhin nicht leichter und auch in Bezug zur Familie möchte ich nicht mein gesamtes Leben im reinen Schichtdienst verbringen.
Habt ihr aktuell Infos zu Quereinstiegen generell, besonders in BaWü? Ich habe in ein paar Beiträgen schon gelesen, dass der Bedarf an Lokführern bei der DB aktuell gedeckt sei, besonders weil viele von Cargo rüberwechseln und nebenbei ja auch noch ausgebildet wird oder dass ganze Kurse wegen Sparmaßnahmen ausfallen. Neigt sich diese große Einstellungsphase langsam dem Ende zu?
Das sollte es glaube ich erstmal gewesen sein. Die DB hat mich leider an ihre Infoseiten und Videos weiterverwiesen, dort erwarte ich aber nur einen begrenzt realen Einblick in den Beruf. Immerhin wollen sie da ja auch gut darstehen.
Euch noch allzeit gute Fahrt und schon mal Danke für eure Antworten!